Still


Egal in welcher Welt, ob SL oder RL, einer der Hauptantriebe ist die Liebe. Ohne sie wäre das Leben kalt und stumpf. Dabei gibt es so viele Facetten der Liebe, dass man sie kaum alle erleben kann … kindliche, familiäre, freundschaftliche, heterosexuelle, homosexuelle, naive, devote, hemmungslose, besessene …

Zu leben ohne zu lieben ist kein richtiges Leben. Nimm dem Leben die Liebe und Du nimmst ihm das Vergnügen. (Molière)

Nicht umsonst eines meiner Lieblingszitate.

Meine erste große Liebe … sie ist unvergessen und wahnsinnig tief in meinem Herzen. Heute hat sie ihren 60. Geburtstag.

Zum letzten Mal gefeiert haben wir ihn vor drei Jahren. Kurz danach nahm sich der Krebs, was ihm meinte zuzustehen.

Ja, meine erste große Liebe war meine Mutter. Rein und absolut bedingungslos. Von der ersten Sekunde meines Lebens an bis über ihren Tod hinaus. Nirgendwo hab ich mich sicherer gefühlt als mit meinem Kopf auf ihrem Schoss und ihrer Hand in meinem Haar. Egal wie alt ich war. Sie war immer da, wenn ich sie brauchte, manchmal sogar zu sehr. Wir haben miteinander gekämpft und gefochten, uns versöhnt und wieder gestritten, aber nichtsdestotrotz ohne Wenn und Aber geliebt.

Nichts, wirklich rein gar nichts hat mich in meinem Leben so dermaßen erschüttert wie der Moment, in dem sie mir sagte, es sei Bauchspeicheldrüsenkrebs, nicht einmal ihr Tod selbst. Der war unabwendbar und auch wenn wir es nicht wahrhaben wollten, so sahen wir ihn auf uns zukommen. Die Diagnose selbst jedoch war ein Schlag ins Gesicht. Drei Worte, die mein Leben im Bruchteil einer Sekunde komplett auf den Kopf stellten … „Es ist Krebs.“ Danach war alles anders. Angst und Tränen wurden von Stund an stete Begleiter, auch wenn wir alles versuchten, sie dem anderen nicht zu offen zu zeigen. Wir versuchten stark zu sein, uns gegenseitig zu stützen, Mut zu machen in einer ausweglosen Situation. Wir wussten nicht, dass wir nur noch 5 gemeinsame Monate haben würden…

Im Moment kommt vieles aus dieser Zeit wieder in mir hoch. Meine Schwester hat letzte Woche geheiratet und das Fehlen meiner Mutter war förmlich greifbar. Heute nun ihr runder Geburtstag. Ich könnte so viel über die Monate ihrer Erkrankung schreiben, über die Zeit danach, als wir versuchten mit der Leere leben zu lernen und sie irgendwann wieder mit Lachen zu füllen, ohne uns dabei dafür zu schämen. Über die Momente, in denen ich mich trotz meiner damals 33 Jahre wie ein hilfloses Kleinkind fühlte. Oder über die Stütze, die mir SL und vor allem Timi in dieser Zeit waren, weil sie mich auf andere Gedanken brachten und nicht trübsinnig zu Bett gehen ließen. Aber jeder, der schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, wird eh wissen, wovon ich spreche.

Heute gehe ich noch mit meinem Vater auf den Friedhof. Es wird wieder ein surreales Erlebnis, denn auch wenn dort ihre letzte Ruhestätte ist, so kann ich sie dort nicht wirklich spüren. Ich sehe und fühle sie überall. In den Mohnblumen, die im Moment so wahnsinnig schön blühen. In einem Lied, das ich morgens auf dem Weg zur Arbeit im Auto höre und das mich zum Lächeln bringt. In einer grünen Welle durch den Berufsverkehr. Im Sonnenschein, den wir letzte Woche bei der Hochzeit hatten. Oder in dem Huhn, das an ihrem ersten Geburtstag nach ihrem Tod (omg wie paradox das klingt lol) am Abend plötzlich gackernd im Kofferraum meines Vaters saß … meine Mutter hatte versprochen, als Schmetterling wieder zu kommen … und er mich völlig konsterniert ansah und meinte „Na ja … es hat Flügel … immerhin!“ hahahaha ich werde sein Gesicht nie vergessen und wie wir im nächsten Augenblick losbrüllten vor Lachen.

Ich bin dankbar, dass ich eine Mutter hatte, die mich ebenso aufrichtig geliebt hat wie ich sie und ich 33 Jahre meines Lebens mit ihr verbringen durfte. Ich bin auch dankbar für meine Familie, die dadurch noch enger zusammengerückt ist. Wer in mein Profil in SL schaut und sich den RL Pick zu Gemüte führt, wird dort ein Bild mit  zwei Frauenhänden und einer Männerhand sehen … das sind die Hände meiner Schwester und von mir, die die unseres Vaters fest hielten, aufgenommen in jener Nacht, als unsere Mutter von uns ging.

Sie fehlt mir.

Eine Mutter ist der einzige Mensch auf der Welt, der Dich schon liebt, bevor er Dich kennt. (Johann Heinrich Pestalozzi)

In diesem Sinne, eine heute sehr nachdenkliche Charlie

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