Never say goodbye


Es hat mich aus den Latschen gehauen. Aber richtig. Ein Blick auf ein besonderes Bild im FlickR Stream und mir schossen die Tränen in die Augen.

Sonst zeige ich ja hier an der Stelle nur eigene Bilder, aber heute will ich eine willkommene Ausnahme machen.

Es ist von Isa Messioptra und sie ist eine Künstlerin, deren Arbeiten ich aufrichtig und ohne Neid bewundere. Sie schafft es auf eine einmalige Art und Weise, in einem einzigen Bild ganze Geschichten zu erzählen … darum hatte sie auch lange den Beinamen (Single Frame Movie). Mal bringen mich diese „Kurzgeschichten“ zum Lachen, dann wieder zum Staunen, sehr oft berühren sie mich und stimmen mich nachdenklich … ja und am Wochenende war es das erste Mal, dass ich echt geheult hab.

Isa Messioptra „Never say goodbye“

Manch einer mag nun mit den Schultern zucken und sagen „So ist das Leben…“ und klar, bei mir steckt halt eine ähnliche Geschichte dahinter, die mir beim Betrachten einen Flashback ohne Gleichen bescherte.

Das Timing ist komisch, weil sich schon bald am 19.10.2013 der Tag das dritte Mal jährt, an dem ich mit diesem Anblick im RL knallhart und ohne rechte Vorwarnung konfrontiert wurde. Eigentlich sollte es ein guter Tag werden. Meine Mutter war exakt 5 Monate vorher mit Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden und meine Welt war aus den Fugen geraten. Mühsam hielt ich sie mit der irrwitzigen Hoffnung wie die eines Kindes zusammen, dass alles schon wieder gut wird … obwohl meine Mutter abbaute und innerhalb dieser kurzen Zeit ihr Gewicht auf 40 kg bei 1,60 m Körpergröße halbierte und nur noch ein Schatten ihrer selbst war. Dieser Scheißtumor wuchs genau zwischen Magen und Darm, so dass sie nicht mehr wirklich essen konnte und schlichtweg vor unseren Augen verhungerte. Und nun hatte sie so große Hoffnungen. Eine spezielle OP sollte ihr Linderung verschaffen und helfen, wieder selbst Nahrung zu sich nehmen zu können. Mit diesen positiven Gedanken ging sie in die OP … und wachte nie wieder auf. Man hat sie aufgemacht, das wahre Ausmaß gesehen, ihr den Darm entfernt, sie wieder zugemacht und uns gesagt, es sei zu spät, sie könnten nichts mehr für sie tun und es würde 2 Stunden bis max. 2 Tage dauern, bis sie von uns gehen würde … für immer.

Am Ende war meine Mutter stärker als vermutet und es dauerte fast 3 Wochen, bis sie starb. Und während dieser Zeit saßen wir abwechselnd quasi im Schichtsystem an ihrem Bett auf der ITS und starrten die Monitore an. Und sie. So klein und dünn mit diesem Schlauch im Hals und Salbe auf den Augen. Nicht mehr am Leben, aber auch noch nicht tot. Ein Anblick, der mich zutiefst erschütterte.

Ich denke ungern daran zurück. Es war qualvoll. Nicht nur für meine Mutter. Auch für uns. Diese Hilflosigkeit. Diese Ohnmacht. Diese Wut. Man lebt weiter und schiebt diese Gefühle beiseite. Sonst würde man nicht mehr funktionieren.

Und dann kommt da ein Bild. Drei Jahre später. Einfach so. Aus dem Nichts. Eins aus einer virtuellen Welt. Nicht mal im echten Leben gemacht. Und ich sitz da an meinem Rechner und heule wie ein kleines Mädchen.

Krass.

In diesem Sinne, eine sehr nachdenkliche Charlie

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